Für eine guten Auftritt fehlen uns meist nicht Wille oder Können sondern die Erlaubnis. Warum auch auf den Bühne des Lebens aller guten Dinge drei sind, darüber handelt mein neuster Beitrag.

“Du musst nur wollen” ist quatsch

Nur noch über den Zaun klettern. Dann sind wir Drei im Freibad. Wir sind so frei. 13 Jahre alt, die Welt liegt uns zu Füßen. Wir strahlen mit dem Mond um die Wette. Vollkommen entspannt. Meine beiden Freude. Doch bei mir übernimmt die Spannung und wird zur unangenehmen Anspannung. Und plötzlich fühle ich mich wie gelähmt.

„Komm schon, Du musst einfach nur über das Tor klettern!“ rufen mein Kumpel nun oben auf dem Zaun thronend. Aber einfach ist nichts mehr. Die Beine fest im Boden verankert. Als würde ich vor einer roten Ampel stehen. Und da stand ich dann, bis ich mich umdrehte und mit Tränen in den Augen nach Hause lief.

Du darfst

So ähnlich geht es auch meinen Klient*Innen. Mal mit, mal ohne Tränen. Wie neulich einer Wissenschaftlerin, die in Vorbereitung auf eine Fernsehshow zu mir kam: “Es ist die dritte Anfrage, die ich bekomme. Die ersten beiden habe ich bereits ausgeschlagen“, sagte Sie mit verärgerter Stimme. Ich will ja, aber es ist so, als würde mich jemand am Arm festhalten.“

Ich kenne das Gefühl, sagte ich zu Ihr: “Glaubst Du, dass Du im TV auftreten kannst?” “Können schon. Schließlich weiß ich in meinem Fachgebiet mehr als alle Gäste zusammen“, antworte sie gelassen und fügte weniger gelassen hinzu: Ich will ja auch.” So wie ich im Freibad, dachte ich. Gut klettern kann ich immer noch und Bock hatte ich ja auch. Und trotzdem war da diese rote Ampel: “Du kannst, Du willst. aber erlaubst Du Dir auch aufzutreten?” frage ich meinte Klientin. Und hier wird sie zögerlich. “Ich glaube mein Doktorvater wäre neidisch und meine Kolleg*Innen sagen immer, dass man als WissenschaftlerIn im Fernsehen nichts gewinnen kann.”

Was Ihr Kolleg*innen und Doktorvater waren mir damals Freunde und Eltern: Zuviel Imperativ! Ins Freibad geht man, wenn man will! Ins Freibad geht man, wenn man darf! Nein ins Freibad und ins Fernsehen geht man, wenn man es sich erlaubt: Du darfst.

Grüner wird’s nicht

Will sie? Ja. Kann sie? Absolut. Darf sie? Eher nicht. Was für meine Klientin, die Wissenschaftlerin gilt, gilt für die meisten Menschen, die auf Bühnen gehen und stehen. Die meisten wollen, die meisten können, aber viele werden am Arm festgehalten, sind wie gelähmt oder stehen vor einen imaginierten roten Ampel, wie ich mit 13 vor dem Zaun des Freibads.

Stellen wir uns, die wir auf Bühnen können und wollen heute und zukünftig drei Fragen: Will ich? Kann nich? Darf ich? Beantworten wir alle Fragen mit einem lauten “Ja“, dann und alle Ampeln auf dann gibt es kein Halten mehr. Grüner wird’s nicht! Beantworten wir nur eine einzige dieser Frage mit einem “Nein” oder einem “vielleicht”, dann bleiben wir stehen. Eine Ampel ist auf rot. Der Körper sagt: No! (Stelle Deine Auftrittsampeln auf grün).

Meine Klientin war erleichtert, als sie merkte, dass ihre Ampel soeben auf gelb sprang und es gleich grün würde: “Und ich dachte schon meine Freunde hätten Recht, und ich will ich nicht. Dich ich will und jetzt weiss ich: Ich darf!